Telefonseelsorge
Tag und Nacht ist die Seelsorge erreichbar
Sie haben das Bedürfnis zu reden? Sie haben niemanden, um Ihre Trauer zu teilen? mehr
Videos
Finden Sie Videos zum Thema
Berührende Worte aus Philosophie und Religion sowie Musikvideos.           mehr
Trauergedichte
Finden Sie Worte, die trösten und heilen
Die Worte von Dichtern und Philosophen können uns oft Fingerzeige geben. mehr
Regionale Seelsorgeangebote
Finden Sie Trost und Rat vor Ort. In Form von Selbsthilfegruppen oder professioneller Hilfe
Trauercafes, Trauergruppen und Witwentreffs können helfen, über den Schmerz zu sprechen und eine Quelle von Trost und Halt sein. mehr


Anlaufstelle für jung verwitwete

Trauer braucht ihre Zeit

von Gabi Eisenack

 

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, gerät die Welt aus den Fugen. Plötzlich fehlt jemand, überall und für immer. Das ist schwer zu verkraften  und schwer zu akzeptieren. Was Menschen in Trauer brauchen, sind Zeit und die Geduld ihrer Umwelt. Sie brauchen jemanden zum Reden und die Freiheit zu weinen. „Tränen“, sagt Illa Kuch, „sind das Wichtigste.“ Auf dem kleinen Tisch in ihrem Beratungszimmer hat sie ein Kästchen mit Taschentüchern stehen. Eine blaue Tonfigur an der Wand breitet die Arme aus wie Flügel. Hier, in diesem geschützten Raum, darf geweint werden. In sicherer Obhut.

Illa Kuch ist bei der Fachstelle für Alleinerziehende der evangelischen Kirche für die Trauerbegleitung von verwitweten Müttern und Vätern zuständig. Sie ist Diplom-Sozialpädagogin und Seelsorgerin, verheiratet und Mutter zweier erwachsener Töchter. Seit vielen Jahren schon kümmert sich Illa Kuch um Menschen, die den Tod eines Angehörigen, eines Partners verkraften müssen. Manchen gelingt das schneller, manche brauchen viel Zeit. Ein Jahr, sagt Illa Kuch, ist mindestens nötig. Einmal müssen alle Jahreszeiten durchlebt, besondere Tage ohne den Menschen verbracht worden sein, der nicht mehr da ist. Geburtstage, Ostern, Weihnachten, Hochzeitstag.

Eben war eine junge Mutter bei Illa Kuch zum Beratungsgespräch im Haus Eckstein. Fünf Jahre ist es her, dass sie ihren Mann verloren hat. Es geht ihr nicht gut, sie kann nicht schlafen, ist unruhig, weint viel. „Sie hat sich zu wenig Raum für ihre Trauer genommen“, sagt Illa Kuch. „Jetzt kommt vieles hoch. Ihre Seele braucht Zeit und Zuwendung, ihre Gefühle müssen Wertschätzung erfahren.“

In einer Gesellschaft, die immer nur aufs Tempo drückt, hat Trauer kaum Platz. Wer einen Verlust erlebt hat, soll möglichst schnell wieder in die Spur kommen, er soll funktionieren, Haltung bewahren. All diese Erwartungen machen es den Betroffenen schwer, sie fühlen sich, als wären sie für den Rest der Welt eine Last. „Die Gesellschaft geht davon aus, dass die Trauer nach ein paar Monaten vorbei ist, aber das ist nie der Fall. Das ist völlig unrealistisch.“ Trauerkleidung zu tragen, sei heute kaum mehr üblich. „Aber das hat seinen Sinn“, sagt Illa Kuch. „Die schwarze Kleidung bedeutet einen Schutz, sie ist ein Zeichen dafür, dass dieser Mensch Zeit braucht. Dass er erst wieder den Mut finden muss, es mit dem Leben aufzunehmen.“

Oft würden Hinterbliebene nach ein paar Monaten erstaunt gefragt: „Was, trauerst du immer noch?“ Sätze wie „das Leben geht weiter“, seien sehr verletzend, sagt Illa Kuch. „Je größer die Liebe war, je intensiver die Bindung, desto schlimmer.“ Wer helfen möchte, der solle auf vorschnelle Worte des Trosts besser verzichten. „Lieber nichts sagen, als etwas Falsches. Lieber die Hand halten, gemeinsam schweigen, weinen. Die Tränen fließen lassen, das ist das Wichtigste. Tränen weichen auf, spülen etwas weg, entlasten, helfen, Druck abzubauen. Sie helfen zu zeigen: Mir geht es nicht gut.“

Und dann ist da all das Unausgesprochene, Dinge, die nicht mehr gesagt, nicht geklärt werden konnten. Illa Kuch rät, dem Verstorbenen einen Brief zu schreiben. „Auch das hilft.“

Wer Kinder hat und seinen Partner verliert, findet sich in einer schwierigen Doppelrolle wieder. Er trauert und muss trösten. Häufig wollen Eltern ihre Kinder schonen. Damit aber überfordern sie sich selbst, während die Kinder ganz genau spüren, dass die Welt aus den Fugen geraten ist. Auch die Kleinen brauchen dann Hilfe. Projekte wie Lacrima, das in Nürnberg von den Johannitern gemeinsam mit dem Hospiz-Team organisiert wird, bieten Trauerbegleitung speziell für Kinder und Jugendliche an.

Für Erwachsene gibt es an der Fachstelle für Alleinerziehende Einzelgespräche mit der Trauerbegleiterin, aber auch Gruppentreffen mit kostenloser Kinderbetreuung.

Illa Kuch hat viele Menschen in Trauer begleitet, hat Wut, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit erlebt. Aber auch die Rückkehr ins Leben, ein Dasein, in dem der Verstorbene seinen Platz hat. Und sie macht die Erfahrung, dass die Menschen, die im Glauben verwurzelt sind, eine besondere Basis haben. „Das Abgebenkönnen an eine höhere Kraft spendet Trost.“

 

Evangelische Fachstelle für Alleinerziehende
Haus Eckstein
Burgstraße 1–3
90403 Nürnberg


Illa Kuch ist erreichbar unter Tel. 214-2103
oder per Mail an: kuch@alleinerziehende-nuernberg.de